Listen-Liebe: Das Beste aus 2018

Weil ich Listen fast genauso liebe wie Musik, hab ich hier mal meine musikalischen Highlights aus unterschiedlichen Genres zusammengefasst. Alles 2018 erscheinen und im Folgenden genauer beschrieben. Am Ende findet ihr eine Spotify-Liste mit allen erwähnten Acts und ein paar mehr.

Im Bereich der elektronischen Musik gab es vier Künstlerinnen und Künstler, die für mich herausstechen: DJ Koze, Perel, Helena Hauff und Zuma Dionys.

Koze veröffentlichte mit „Knock Knock“ eine Platte, die mich wirklich umgehauen hat. Was „Knock Knock“ so überzeugend macht, ist neben der stilistischen Bandbreite, Koze´s Fähigkeit Eingängigkeit und musikalischen Anspruch perfekt zu amalgamisieren. Klar ist das Pop, aber eben Pop mit so viel Liebe zum Detail und Versponnenheit, dass es nie belanglos wird. Besonders hervorzuheben ist „This is my rock“ mit Sophia Kennedy, „Music on my teeth“ mit José Gonzalez und „Baby“. Eine echte Platte für die Ewigkeit.

Perel legte mit „Hermetica“ ihre Debütplatte vor, die mal eben auf DFA Records veröffentlicht wurde. Und auch ansonsten wird „Hermetica“ quasi überall abgefeiert. Völlig zu Recht. Auch Perel´s Produktionen haben Ecken und Kanten, durchzogen von einem subtilen Sinn für Humor, Harmonien, und Hooks. Zwar ist „Hermetica“ eine düstere Platte, aber Synthies, die mal nach Weltraum, mal nach Aerobic-Studio, dann wieder psychedelisch verhangen klingen, lassen das Leben zwischendurch aufblitzen. Ähnlichkeiten mit Helena Hauff´s „Qualm“, ebenfalls 2018 erschienen, sind zwar gegeben, allerdings ist „Hermetica“ sehr viel poppiger und zugänglicher als Hauff´s klangexperimentelles, elektronisches Übersteuerungs-Feuerwerk.

Zuma Dionys ist für mich ein heißer Anwärter für den nächsten Hype im Slow House/Downtempo-Bereich. Eigentlich seltsam, dass die zwei Produzenten aus St.Petersburg/Russland noch etwas unter dem großen Radar fliegen. „Drago“ ist für mich einer der deepsten und hypnotischsten Tracks 2018 überhaupt. Die Bassline ist einfach nicht von dieser Welt. So simpel, so effektiv. Auf ihren Produktionsflügen durch die halbe Welt bedienen sich Zuma Dionys bevorzugt aus orientalischen Samples und Percussions, die aufs Schönste in die treibenden Produktionen eingeflochten werden. Über das ganze Jahr verteilt, veröffentlichten Zuma Dionys EP und Singles. Der letzte Streich „Gold Jaguar“ von Mitte Dezember 2018 ist so frisch, wie großartig. Da ist auch 2019 Großes zu erwarten.

Ein weiterer Schwerpunkt in 2018, war für mich Psychedelic Rock. Wobei diese Genrebeschreibung etwas fehlleitend ist, wenn ich mir ansehe, wen ich damit meine: Kikagaku Moyo, Die Wilde Jagd und Skinshape haben erstmal wenig miteinander zu tun, außer eben, dass es Rock-basierte Bandmucke ist, die ganz unterschiedlich psychedelisch wirkt.

Die Wilde Jagd sind eine Wahnsinns-Liveband. Ihr Konzert im Kater Blau gehört zu meinen Konzerten des Jahres. Zu zweit so viel Druck aufzubauen, muss man auch erstmal schaffen. Die Texte von Die Wilde Jagd klingen nach naturalistischer Expressionslyrik, live walzt der Sound alles nieder, was im Weg steht. Grundlage hierfür sind die Uhrwerk-Drums und eine ganze Wagenladung Effekte für die Gitarre, sowie Synthies, die in die Länge gezogen werden, ohne auch nur im Ansatz langweilig zu werden. Es zieht dir schlichtweg die Schlappen aus.

Die Superlative für Kikagaku Moyo gehen mir währenddessen so langsam aus. Was schon auf Platte trippig und schwer verhangen rüberkommt, wird live zu einer einzigen Wolke voller surreal wirkender Psychedelica, zartem, dahin gehauchtem Folk und schweren, punktgenauen Hardrockanleihen. Dazu ein Groove, der durchs Herz, direkt in die Hüften geht. Es ist die Art von Musik, die einen ein paar Zentimeter wachsen lässt. Es war die Art von Performance, der sich niemand entziehen kann, weil sie so dicht und echt ist, dass sie sämtliche Kritiker-Blicke von vornherein entwaffnet. Einfach nur überwältigend.

Skinshape ist quasi die poppige Variante und passt auch aus anderem Grund nicht wirklich in diese Liste: Skinshape a.k.a. William Dorey ist eigentlich nur ein Produzent, der seine 2018er-Platte „Filoxiny“ aber so klingen lässt, wie wenn eine mehrköpfige Band dahintersteckt. Eine Band, die direkt aus den 70ern in die Gegenwart gebeamt wurde und dabei noch ein paar Störgeräusche mit aus der Zeit&Raum-Kapsel genommen hat. Sehr betörend, sehr eingängig, sehr hübsch.

Nennen wir es smoothen PopBilderbuch, Ed Motta, Klaus Johann Grobe und Harvey Sutherlandsind für mich die tollsten Acts in diesem Bereich. Angenehm zu hören, anspruchsvoll in der Haltung und elegant in der Ausführung.

Bilderbuch, weil eben Bilderbuch. Es ist auch ein wenig das DJ Koze-Prinzip: So viel Eingängigkeit, aber eben auch so viel Eigensinn. Im Gegensatz zur Vorgängerplatte „Magic Life“ ist „mea culpa“ weniger experimentell, der Fokus liegt auf sehr smoothen Arrangements, immer wieder durchzogen von Stilbrüchen, die aber im Gesamtkunstwerk Bilderbuch verträglicher eingewoben sind. „mea culpa“ ist nur kurzfristig angekündigt und im Dezember veröffentlicht worden. Der Nachfolger „Vernissage my heart“ ist für Februar 2019 angekündigt. Früher machte man ein Doppelalbum draus, heute halt zwei Alben in zwei Monaten. Auch das ist Bilderbuch: Verhaltensanarchismus.

Ed Motta ist der King of Smoothness. Neben der von ihm kompilierten „Too Slow To Disco:Brasil“-Platte mit DJ Supermarkt, veröffentlichte Ed 2018 „Criterion of the Senses“, eine Platte, die zwischen Jazz, Soul und Soft Rock wandelt und doch am Ende eben breitwandiger Pop ist. Ed´s Stimme ist so variabel, wie seine Bühnenperformances, also extrem variabel. Er gibt mal den Crooner, dann tänzelt er singend Melodien entlang. Das Ganze mag zwar seicht erscheinen, ist aber zutiefst beglückend, weil der gute Mann vor allem live komplett in seinen Songs aufgeht. Davon abgesehen ist die brasilianische Musik-Tausendsassa ein Meister der Bühnenkommunikation. Unterhaltend, witzig, dabei das Gegenteil von oberflächlich. Toll.

Knietief im spacigen Disco watet Klaus Johann Grobe durch seine 2018er-Platte „Du bist so symmetrisch“. Dabei erinnern seine Stimme und seine Texte an deutschsprachige Indie-Helden der frühen 2000er. Ansonsten entwickelt der Bass im Laufe von “ Du bist so symmetrisch“ ein discoides Eigenleben. Mit sowas kriegt man mich immer. „Watte in meinem Kopf“? Eher Watte in meinen Ohren. Fühlt sich fantastisch an.

Harvey Sutherland hat mich mit seinen Produktionen schon so manches Mal aus den Angeln gehoben. Es groovt einfach wie Sau, was der Australier so produziert. Und es wechselt seine Erscheinungsform, gerne auch innerhalb eines Tracks. Das ist mal Easy Listening, zeischendurch housig, dann wieder jazzig angehaucht. Auf jeden Fall immer wunderbar anzuhören. 2018 erschien die „Amethyst/I Can See“-EP. Wunderbar ist die.

Für mich ist Jazz immer dann interessant, wenn er Grenzen überschreitet, dementsprechend gefeiert habe ich dieses Jahr Veröffentlichungen, die anschlussfähig für andere Sounds und Überraschungen waren. Sons of Kemet ist so ein Beispiel für Jazz, der mit den Klischees bricht. Von einem Journalisten auch mal treffend als Planierraupenjazz bezeichnet, überzeugt Sons Of Kemet live mit zwei Schlagzeugern, einer Tuba und einem Tenorsaxofon. Fast pausenlos und kompromisslos fräst sich die Band live durch Jazz und instrumentales Dauerfeuer. Ziemlich anstrengend und gleichzeitig grandios. Chinaski in Space ist eine Berliner Band, die zwischen Psychedelic, Jazz und Rock wandelt. Auch krautige Einflüsse und spacige Klanglandschaften sind hier und da zu vernehmen. Kamasi Washington darf in dieser Liste genau so wenig fehlen wie Hailu Mergia, der Ethio Jazz-Legende.

Im HipHop ist dieses Jahr auch viel Spannendes passiert. Brudi Figub Brazlevič hat neben einem fantastischen Album mit Klaus Layer angedeutet, dass er auch zuckersüße Breaks perlen lassen kann. Danger Dan hat mit „Reflektionen aus einem beschönigten Leben“ genau das getan, was der Albumtitel suggeriert. Quasi der Next Level Shit der Selbstreflexion. Richtig nicer Beatmaker-Kram kam dieses Jahr unter anderen von Ecke PrenzSuff Daddy und Glenn Astro. Sehr tollen HipHop und Artverwandtes gabs 2018 zudem von Romeo Elvis, Sampa The Great , Afterclapp, Little Simz und Yassin

Viel Spaß mit der Liste!

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